Park Sanssouci soll bald Eintritt kosten
Dienstag, 14. Februar 2012 02:26 - Von Gudrun Mallwitz
Die Besucher des Parks Sanssouci in Potsdam werden voraussichtlich ab Ostern 2013 Eintritt bezahlen müssen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost kann Schlösserchef Hartmut Dorgerloh darauf bauen, dass er für seinen Vorschlag die nötigen Stimmen im Stiftungsrat Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg erhalten wird. Die Entscheidung ist für den 29. Februar angesetzt.
Der bislang freiwillige Eintritt von zwei Euro wird demnach während der Saison von Ostern bis Oktober Pflicht. Ermäßigt kostet die Karte von 9 bis 18 Uhr dann einen Euro.
Allerdings sind Sonderreglungen geplant: Anlieger wie Studierende und Beschäftigte der Universität Potsdam haben freien Eintritt, ebenso Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Für Besucher aus Potsdam und Umgebung soll eine Dauerkarte von 12 Euro (ermäßigt 6 Euro) angeboten werden. Weitere Rabatte werden noch diskutiert.
Stadt Potsdam strikt dagegen
Seit fast einem Jahr gibt es heftigen Streit um die Zwangs-Eintrittsgebühr für den Schlosspark. Schlösserchef Dorgerloh möchte damit mehr Geld für die bessere Pflege der Gärten in die Kasse bringen. Die Stadt Potsdam ist vehement gegen einen "Wegezoll", wie Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die geplante Abgabe bezeichnet. Auch im Stiftungsrat herrscht keine Einigkeit. Die Entscheidung wurde deshalb um Monate vertagt. Berlin und der Bund plädieren für einen Pflicht-Parkeintritt, in Brandenburg sind die Staatskanzlei unter Matthias Platzeck (SPD) und das Finanzministerium von Helmuth Markov (Linke) weiterhin dagegen. Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) hat sich noch nicht entschieden. Sie könnte sich bei der Abstimmung enthalten.
Ihre Stimme dürfte nun doch nicht den Ausschlag geben. Denn der Stiftungsrat, in dem der Bund und die beiden Länder über je drei Stimmen verfügen, wird nicht über eine Satzungsänderung abstimmen, für die eine Zweidrittelmehrheit nötig wäre. Nach der dieser Zeitung vorliegenden Stiftungsratsvorlage steht der Parkeintritt als zeitlich begrenztes Modellprojekt bis zum Jahr 2017 zur Abstimmung. Und um ein Modellprojekt zu beschließen, reicht die einfache Mehrheit im Stiftungsrat.
Zehn Eingänge weniger
Mit dem Pflichteintritt erhofft sich der Schlösserchef zusätzliche Einnahmen von jährlich 4,5 Millionen Euro, die allein für die Gartenpflege verwendet werden sollen. Die Schlösserstiftung nimmt nach eigenen Angaben pro Jahr bis zu 120 000 Euro durch das 2006 eingeführte freiwilligen Eintrittsgeld ein. "Dies ist zu wenig, um den Welterbe-Park und die Gärten adäquat zu erhalten", sagt Stiftungschef Hartmut Dorgerloh. Durch die Abschaffung des Zivildienstes habe sich die Situation noch verschärft. So fehlen der Schlösserstiftung ab 2012 rund 30 in den Gärten eingesetzte Zivildienstleistende.
Heftige Diskussionen wird vor allem auch die geplante Schließung von zehn der 25 Eingänge in den Park hervorrufen. An den 15 künftigen Eingängen sollen Kassenhäuschen eingerichtet werden. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) lehnt die Pläne der Stiftung strikt ab. Er hat aber kein Stimmrecht.
Dass die im Stiftungsrat vertretene Senatskanzlei Berlin, bei der auch die Kultur angesiedelt ist, und das Finanzressort unter Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) für den Zwangs-Eintritt stimmen, gilt als sicher. Das Land Berlin hatte vor Jahren bereits versucht, auch Eintritt für den Schlosspark Charlottenburg durchzusetzen. Die Bezirksverordneten-Versammlung verhinderte dies. Sollte es in Potsdam zum Parkeintritt kommen, würde dies die Diskussion in Berlin wieder aufleben lassen - und beeinflussen. Dass der Bund den Eintritt will, überrascht nicht. Je mehr Einnahmen von außen generiert werden können, desto besser, heißt es. Regierungschef Platzeck und Staatskanzleichef Albrecht Gerber sind gegen einen Parkeintritt. Sie konnten Kulturministerin Kunst bisher nicht überzeugen.
Die härteste Linie verfolgt das Finanzministerium. Von ihm stammt der Vorschlag, die Gebühr im Stiftungsrat abzulehnen. Finanz-Staatssekretärin Daniela Trochowski (Linke) wies wiederholt darauf hin, dass es sich beim Park Sanssouci laut Satzung auch um ein Erholungsgebiet handelt. Und dafür dürfe kein Eintritt erhoben werden.
